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05.2006
Mindlove – Mehr Kundenloyalität in der Kosmetikbranche
Sich differenzierende visuelle Codes als Ausweg aus der Orientierungslosigkeit

Der internationale Kosmetikmarkt wird durch Markenwelten und ihre spezifische Aura bestimmt:
Globale Marken (z. B. Estée Lauder/Chanel) fungieren hierbei als Imageträger mit Außenwirkung. Sie prägen und erfüllen die Erwartung des Konsumenten an Luxuskosmetik. Auf Basis emotionaler Bildwelten initiieren diese Marken Trends mit globaler Strahlkraft.
Nationale Marken mit internationaler Distribution (z. B. Nivea/Occitane) hingegen transportieren oft nationale Werte. Die visuelle Sprache ihrer spezifischen Bildwelten pendelt zwischen emotional und rational, und so stehen diese Marken für ein Lebensgefühl zwischen Image und Eigenwert des Menschen.
Regionale Marken (Penaten/Ban) stehen mit ihren rationalen Bildwelten für den Eigenwert und Nutzen des Konsumenten – sie entbehren einer Image-focussierten Ausßenwirkung, ihre visuelle Sprache ist meist technisch.

Innerhalb dieses Markenkosmos gibt es Zwischenbereiche, die sich als Nischenbrands entweder durch ihr Image (Tart) oder ihren Nutzen (Triology) positionieren und deutlicher als die anderen Marken eine spezifische Zielgruppe fokussieren. Der Kampf um den Konsumenten ist in einem zunehmend saturierten Markt kein leichtes Unterfangen – zumal auch noch die Drogeriemärkte und Discounter wie dm, Lidl, Aldi, Wallmart und Kohl´s mit ihren Eigenmarken in das Treiben eingestiegen sind und sich immer erfolgreicher um den Verbraucher bemühen – und das nicht nur mit billigen Produktlinien, sondern auch im Bereich Prestige (Wallmart »Skin simple«, dm »Reélle«, Lidl »Suhada«).

Die starke Fragmentierung des Kosmetikmarktes und seine geografisch wie inhaltlichen Simultanitäten und Überschneidungen führen zu einem Produktrauschen, welches für den Konsumenten kaum mehr zu durchdringen ist. Orientierungslosigkeit, Unlust und abnehmende Produkt- und Markenloyalität sind die Folge.

Werbung gilt längst nicht mehr als selig machende Orientierungshilfe. Durch die steigende Anzahl der Medien ist die Wahrscheinlichkeit, den Konsumenten mit einer Kampagne zu erreichen, wie ein 6er im Lotto geworden. Globale Marken, die auf Image und emotionale Markenwelten setzen, müssen einen Grossteil Ihrer Marge in die Werbung stecken, um überhaupt die gewünschte Präsenz aufrechterhalten zu können. Für Innovation vor allem im Bereich Verpackung bleibt kaum etwas übrig.

Die Preisfrage für alle lautet: Wie erreicht man in Zukunft – in einer immer komplexer werdenden Produktwelt – den Konsumenten und wie motiviert man ihn dazu, ein Produkt zu kaufen? Differenzierung über das Design, sei es Produkt- oder Grafikdesign, ist hierbei ein Schlüsselwert. Für einen Markt, in dem die Verpackung - ihr Material, ihre Form und Farben – oft auf Grund von Emotion oder Erfahrung ausgewählt wird, heisst das: umdenken, differenziert hinschauen und spezifisches Knowhow walten lassen. Dabei ist die Lösung für Differenzierung am Point of Sale nicht etwa schreiende Farben oder abstruse Formen. Vielmehr müssen spezifische visuelle Codes und explizite Identitäten eingesetzt werden, um zwischen dem Konsumenten und einem Produkt eine direkte Kommunikation zu ermöglichen und damit ein emotionales Band herzustellen, welches über einen längeren Zeitraum hinweg tragfähig ist. Kosmetische Verpackungen müssen also die individuelle Sprache ihrer Zielgruppe sprechen, denn die adäquate Verpackung wird in Zukunft über den Erfolg oder Misserfolg eines Produktes entscheiden. Doch was bedeutet das konkret?

Zuerst einmal für jede Art von Marke etwas anderes:
Dass globale Marken andere Inhalte vermitteln als nationale, regionale oder Nischenmärkte, versteht sich von selbst. Alle Marken innerhalb des Kosmos stehen für unterschiedliche Erwartungen von Seiten des Verbrauchers. Das Nebeneinander und die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Lifestyles bei zum Teil ein und derselben Person haben zu einem flexiblen und lustbetonten Kaufverhalten geführt, welches stark durch Stimmungen und Impulse geprägt ist. Innerhalb der Markensegmente muss also eine produkt- und linienspezifische visuelle Sprache angewandt werden, die den Konsumenten direkt vom Regal her anspricht und ihm durch die adäquate Form der bildlichen Kommunikation die Zugehörigkeit anträgt.

Diese Sprache heisst für die globalen Marken »Globisch« (siehe Barbara Cassin, Sprachwissenschaftlerin), für nationale und regionale Marken »national« und für den Nischenmarken »individuell«:
»Globisch« meint eine imagestarke visuelle Sprache, die für gehobenen Lifestyle zwischen Glamour und Ikonostase steht. Sie sollte dem Bedürfnis sich zu zeigen, der Spiegelung und Bestätigung nach aussen Rechnung tragen.
»National« mit einer emotional-rationalen Bildwelt sollte für die Tiefe der Herkunft, die Tradition des Umfeldes und dem Bedürfnis nach Verständnis und Zuhause stehen.
»Individuell« sollte die Inhalte und Werte einer spezifischen Zielgruppe und ihrer Muster bedienen.

Um glaubwürdig zu sein und nachhaltig zu wirken, müssen diese visuellen Sprach-Cluster in sich differenzierende Codes und Identitäten umgesetzt werden. Das Wissen um dieses visuelle Potential und die gekonnte Umsetzung wird zunehmend über den Erfolg oder Misserfolg eines Produktes oder einer Linie entscheiden. Aber nicht nur das Wissen über adäquate Codes und Identitäten wird entscheidende sein, sondern auch die konsequente Übersetzung in jedes Detail – Material, Form, Farbe und Typografie, Textur und Geruch – wird über die Liebe des Verbrauchers zu seinem Produkt entscheiden.

Ziel ist es ein subtiles aber starkes Band zwischen Produkt und Verbraucher zu spannen, einen Link zwischen Image getriebenen und Produkt orientiertem Kaufverhalten herzustellen.
Nicht Imagelove oder Productlove, sondern die Verbindung aus beidem – Mindlove – wird die Qualität für Konsument, Handel und Lieferant wieder herstellen und die Loyalität des Verbrauchers zurückbringen.


Annabelle Wimmer Bakic, Spezialistin für visuelle Codes und Trends in der Kosmetik, ist als Beraterin für die internationale Kosmetikindustrie im Bereich Strategie, Konzepte, Branding und Corporate Identity tätig.
Kosmetikexpertin Annabelle Wimmer Bakic
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